Transparenz ist keine Unterstellung!
Artikel in der Offenbach Post vom 15.08.2026 – „Wilde Zwerge“
Wenn jährlich Millionen Euro an öffentlichen Geldern an einen freien Träger fließen, sollte eine sorgfältige und vollständige Offenlegung aller Zahlen und Fakten selbstverständlich sein. Das gilt unabhängig davon, wer den Träger führt oder welche politische Ansichten man vertritt.
Nach den öffentlich zugänglichen Jahresabschlussdaten werden die „Wilden Zwerge“ zu rund 91 Prozent aus Zuschüssen der Stadt und des Landes finanziert. Gerade deshalb müssen Mittelverwendung, Vergaben und mögliche Interessenkonflikte nachvollziehbar dokumentiert sein. Das ist keine Unterstellung, sondern eine Selbstverständlichkeit im Umgang mit Steuergeldern.
Besonders kritisch sehen wir, dass die Geschäftsführerin der gGmbH zugleich Stadtverordnete und Fraktionsvorsitzende der SPD in der Mühlheimer Stadtverordnetenversammlung ist.
Zwar verbietet die Hessische Gemeindeordnung diese Konstellation bei einem freien Träger nicht. Gleichzeitig enthält die HGO für kommunale Unternehmen und Gesellschaften sehr weitgehende Regelungen darüber, welche Personen bestimmte Mandate gerade nicht ausüben dürfen.
Dahinter steht ein klarer Grundgedanke: Politische Entscheidungsbefugnisse und wirtschaftliche Eigeninteressen sollen möglichst voneinander getrennt werden, um Interessenkonflikte zu vermeiden. Wer über die Verwendung erheblicher öffentlicher Mittel politisch mitentscheidet oder darauf Einfluss nehmen kann, sollte nicht gleichzeitig den Eindruck erwecken, wirtschaftlich von diesen Entscheidungen profitieren zu können – selbst dann nicht, wenn dies rechtlich zulässig ist. Politik lebt nicht nur von der Einhaltung des Rechts, sondern auch von der Vermeidung des Anscheins eines Interessenkonflikts.
Die Gesellschafter und Geschäftsführer der Wilden Zwerge sind zugleich in mehreren weiteren Unternehmen und Vereinen aktiv (u. a. PureFair, Novum Media, PDAA Solutions & Services, 360 Family Concept, Kindsein e.V., LAG freie Kitaträger Hessen).
Personelle Verflechtungen zwischen verschiedenen Gesellschaften oder Vereinen sind nicht per se problematisch. Sie machen jedoch eine besonders sorgfältige Prüfung erforderlich, sobald Leistungen zwischen diesen Organisationen erbracht werden und insbesondere dann, wenn die vergleichende Prüfung der Stadt ergibt, dass die „Wilden Zwerge“ mit 900.000 € (oder rund 100 Punkte Grundsteuer) überfinanziert sind. Hinzu kommt, dass diverse unüblich hohe Kostenpositionen zumindest Fragen aufwerfen, wie der Artikel in der Offenbach Post vom 15.08.2026 eindrucksvoll darlegt.
Wenn die Einschätzungen der Stadt und des Trägers der „Wilden Zwerge“ in Teilen so weit auseinander liegen, dass sich die Stadt genötigt sieht, einen Wirtschaftsprüfer zu beauftragen, dastellt sich zwangsläufig die Frage, ob die gebotene Transparenz tatsächlich in ausreichendem Maße gewährleistet ist!